Lieben Sie ewiges Eis? Und wie steht es mit monatelanger Dunkelheit? Falls Sie jetzt nicht zurückzucken, gehören Sie zu den zahlreichen Liebhabern Skandinaviens. Für die hat der Berlin Verlag dieses Buch aus dem Norwegischen übersetzen lassen. Sollte es Sie mehr zu den Dingen der See ziehen, einsamem Segeln auf dem Ozean und heroischen Fahrten: Auch dann lohnt sich die Lektüre; der Autor Ragnar Kvam ist übrigens gerade von einem mehrjährigen Einhandtörn zurückgekehrt.
Vor noch nicht einmal 100 Jahren waren große Teile der Erdoberfläche unerforscht, vor allem Nord- und Südpol; man gelangte schlicht nicht hin. Wer seinerzeit Erfolge auf diesem Gebiet vorweisen konnte, wurde zum Volkshelden. Die norwegischen Polarforscher Roald Amundsen (*1872, 1928 im Eismeer verschollen) und Fridtjof Nansen (1861-1930) waren schon zu Lebzeiten Legenden. Das Buch erzählt von einem Dritten, Hjalmar Johansen, dem einzigen Gefährten Nansens, als dieser zu Fuß von seinem im Eis gefangenen Expeditionsschiff "Fram" aufbricht, um Rettung zu holen. Polarwinter im Erdloch, auf dem Speisezettel wahlweise Robben- oder Bärenfleisch. Die Strapazen sind für uns heute kaum noch vorstellbar.
Nachdem man sich ein halbes Jahr den Schlafsack geteilt hat -- sonst drohte der Kältetod -- bietet der aus der Oberschicht stammende Nansen dem Hausmeistersohn Johansen das "Du" an. Ab sofort sagt er nicht etwa "Hjalmar" zu ihm, sondern "Du, Johansen". Zwar ernten beide Ruhm, aber nicht zu gleichen Teilen. Johansen zerbricht an mangelnder Anerkennung.